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Hitzeresiliente Stadt- und Quartiersentwicklung in Großstädten – Bewohnerorientierte Wissensgenerierung und Umsetzung in Dresden und Erfurt

Beispielquartier Erfurt

Die Erfurter Oststadt ist ein Teil der Krämpfervorstadt und liegt zwischen dem Gera-Flutgraben im Westen und dem Bahndamm im Osten und Süden.

Sie erstreckt sich auf 140 ha in drei Quartiere, die Innere und Äußere Oststadt sowie das Hanseviertel. 

Die Krämpfervorstadt verfügt über etwa 16.500 Einwohner mit einem Durchschnittsalter von 39,8 Jahren. Sie leben in ca. 8.100 Haushalten. Der männliche Anteil der Bewohner liegt bei knapp unter 50 Prozent, der weibliche Anteil entsprechend knapp darüber (Quelle: Landeshauptstadt Erfurt 2018).

Baukultur

Eine hohe Anzahl von Gebäudeeinheiten besitzt einen baukulturellen Wert. So sind ca. 180 Gebäude gemäß Denkmalliste im Quartier als Wohnblock, vornehmlich als kennzeichnendes Straßen- und Platzbild gelistet.

Quartiere: schwarz umrandet: Hanseviertel und innere Oststadt; gestrichelt weiß umrandet: äußere Oststadt

Äußere Oststadt – Teilbereiche | Quartiere


Innere Oststadt - Gründerzeitviertel

Demographie - Die Innere Oststadt ist in den letzten Jahren stark gewachsen und besitzt rund 6.400 Einwohner. Im Vergleich zu anderen Stadtteilen lebt hier eine jüngere Bevölkerung, für welche die Nähe zur FH Erfurt einen wichtigen Faktor darstellt.

Stadtbild - Der dicht bebaute Gründerzeitring prägt das Quartier mit geschlossenen  Blockrandbebauungen, großzügigen Hofanlagen im Inneren und kleineren gewerblichen Nutzungen. Die Gebäude sind zumeist vier- bis fünfgeschossig.

Bezüglich öffentlicher Grünflächen weist die Innere Oststadt Defizite auf. Angelegte und gestaltete öffentliche Grünflächen sind nur fragmentarisch in Form des Hanseplatzes als kleiner Park und dem Leipziger Platz als Schmuckplatz zu finden.

Hanseviertel

Im nördlichen Bereich zwischen Leipziger und Schlachthofstraße hebt sich strukturell das Hanseviertel von der übrigen Inneren Oststadt durch den Bauhausstil (insb. Hamburger und Flensburger Block) ab.

Als Ende der 1920er Jahre erschwinglicher und zugleich guter Wohnraum knapp war, begann hier der soziale Wohnungsbau. So entstanden Mehrfamilienhäuser, die in den 1990er Jahren umfangreich saniert wurden.

Die demographische Struktur des Stadtteils unterscheidet sich von anderen. Die Einwohnerinnen und Einwohner gehören zumeist zur älteren Bevölkerungsgruppe.

Äußere Oststadt - Fabrikviertel

Die Äußere Oststadt entstand als Standort für Fabriken und ist wenig bebaut. Im Zuge der Deindustrialisierung der 1990er Jahre entstanden zahlreiche Brachflächen. Daher leben heute nur ca. 470 Menschen in der Äußeren Oststadt. Das Viertel wurde innerhalb des Integrierten städtebaulichen Rahmenkonzepts 2016 in die drei Teilquartiere

Der Alte Posthof zeichnet sich als weite, brachliegende Fläche aus. Hier werden in Kürze mit 450 Wohneinheiten als offene Blockrandbebauung errichtet.

Der Bereich Iderhoffstraße besteht zum großen Teil aus gewerblich oder ehemals gewerblich genutzten Flächen mit Produktions-, Lager- und Funktionsgebäuden sowie vereinzelt Wohngebäudebestand.

Das Stadtwerke-Areal besteht aus Brachen, ehemaligen Nutzflächen des früheren Gaswerks und des Güterbahnhofs.


Stadtklima der Erfurter Oststadt

An die Erfurter Oststadt grenzt der Östliche Hangfuß der Hochflächen, der größtenteils von landwirtschaftlicher Nutzung und Kleingärten geprägt ist. Diese funktionieren als Kaltluftentstehungsgebiete. Dennoch ist die Versorgung der Oststadt mit Kalt- und Frischluft wesentlich geringer als im westlichen Erfurter Stadtgebiet, wo zum einen die Einzugsgebiete größer und zum anderen die Luftleitbahnen funktionstüchtiger sind.

Obwohl im Ostraum zahlreiche Hochflächen Kalt- und Frischluft bilden, steht ein Großteil durch Infrastrukturflächen (Bundesstraße, Bahndamm als "Sperren") nicht zur Verfügung.  Am Rande der Oststadt bildet sich eine geringe Mächtigkeit an Kalt- und Frischluft und entwickelt sich nur zu einer Luftleitbahn mit mäßiger Wirkung.  Für das Stadtklima und die Luftqualität ergibt sich dadurch im östlichen Stadtgebiet ein besonderer Schutzbedarf.

Hinzu kommen die hohe, geschlossene Blockrandbebauung der Gründerzeithäuser, der hohe Versiegelungsgrad der Innenhöfe und die gewerblichen Verdichtungen im Quartiersinneren. Sie begründen eine klimatische Sanierungszone mit thermischen Defiziten.

Zurzeit fungiert die Äußere Oststadt mit den vorhandenen Brach- und Grünflächen (z. B. Alter Posthof, die Gleisanlagen des alten Güterbahnhofs sowie im Bahnbereich) noch als lokaler Ausgleichsraum mit hoher bioklimatischer Wirkung. Die Flächengrößen erlauben derzeit noch eine Bildung lokaler Kaltluft und die Frischluftzufuhr. Der Gera-Flutgraben westlich der Oststadt stellt einen klimatischen Ausgleichsraum im Stadtgebiet dar.